Wie viel Europa steckt in Lüneburg?

Lüneburg liegt in Europa – das steht in jedem Atlas. Umgekehrt steckt Europa auch in Lüneburg, nicht nur in Form von Geldern im Zentralgebäude der Universität. Aber wo genau? Ein Blick in die drei wichtigsten Fördertöpfe der EU zeigt: Fast überall prägen EU-Mittel die Region Lüneburg.

Von: Natalia Sophie Leipholz, Jan Gooß und Luca Fröhlich

Das überhaupt Gelder hierher fließen, hat einen einfachen Grund: Schwächere Regionen der EU sollen die weiterentwickelten einholen, Stichwort Konvergenz. Die Strategie: Um dieses Ziel zu erreichen, verteilt die Europäische Union Gelder aus den sogenannten Struktur- und Investitionsfonds. Die Gelder dieser Töpfe wandern weiter an die Mitgliedstaaten. In Deutschland ist für die Verteilung der Mittel an die Länder das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zuständig. Die geben sie weiter an die Ämter für regionale Landesentwicklung und Förderbanken der Länder. Möchte nun in Niedersachsen ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Privatperson ein Projekt in die Gänge leiten, kann das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), die NBank (Förderbank Niedersachsens) oder die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) prüfen, ob sie die Fördertöpfe dafür anzapfen dürfen.

14 Millionen Euro für das Zentralgebäude

In den drei Töpfen befinden sich 2,1 Milliarden Euro für das Land Niedersachsen, bis zum Jahr 2020. Damit kann das Land eine Vielfalt an Projekten fördern, vom Englischkurs für den Kleinbetrieb bis hin zum Lüneburger Wasserturm. Niedersachen ist dabei unterteilt in vier Regionen: Braunschweig, Hannover, Weser-Ems und Lüneburg. Die Region Lüneburg 2016 die meisten Fördergelder in Niedersachen erhalten, insgesamt 193,5 Millionen Euro. Dieses Geld stammt jedoch nicht nur aus EU-Förderungen, sondern auch aus Mitteln von Bund und Land.

Das wohl bekannteste Förderprojekt in Lüneburg ist das Zentralgebäude der Leuphana Universität. Am Eingang prangt ein großes Schild mit EU-Logo, das zeigt: Hier flossen EU-Gelder hin. Rund 14 Millionen Euro waren es, die die Leuphana für ihr Prestigeobjekt  erhalten hat.

Scala Kino: 15.000 – 20.00 Euro jährlich

Jeden Sonntag weht auch durch die Sitzreihen des Scala-Kinos in der Lüneburger Altstadt europäischer Wind: Dann laufen französische, schwedische oder italienische Filme in Originalsprache. Dies ist eine der Bedingungen, die das kleine Programmkino jedes Jahr aufs Neue erfüllen muss, um EU-Gelder aus dem Europäischen Fonds der regionalen Entwicklung zu erhalten. Jährlich sind das zwischen 15.000 Euro und 20.000 Euro. 25 Prozent der Filme, die das Scala zeigt, müssen europäischen Ursprungs sein. „Ohne das Geld von der EU könnten wir unsere anfallenden Technikkosten, Reparaturen und Gehälter kaum decken”, sagt Elke Rickert aus dem Leitungsteam des Kinos.

2,1 Millionen Euro EU-Mittel für das Museum Lüneburg

Am Rande der Altstadt: ein weiteres EU-Schild. Es hängt am Eingang des Museums Lüneburg. Dass das Museum Lüneburg 2015 in neuem Glanz erstrahlen konnte, verdankt es unter anderem den 2,1 Millionen Euro aus dem europäischen Regionalfonds (EFRE). Somit waren etwa 20 Prozent der Gesamtkosten von elf Millionen Euro gedeckt. „Das Museum Lüneburg ist zwar hauptsächlich ein Stadt- und Regionalmuseum, doch viele unsere Objekte lassen sich in einem europäischen Kontext betrachten“, sagt Heike Düselder, die Direktorin des Museums. „So die Ebstorfer Landkarte, die das Weltbild und die geografischen Kenntnisse des Mittelalters vermittelt: Afrika, Asien und Europa. Auch der ‚Exportschlager‘ Salz zeigt, dass Lüneburg schon im Mittelalter europäisch vernetzt war.”

2.000 Euro für die Sanierung des Wasserturms

Unweit entfernt vom Museum ragt der Wasserturm über die Dächer Lüneburgs. Dessen Sanierung im Jahr 2000 wurde unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Ziel war die Integration von Langzeitarbeitslosen und sozialen benachteiligten Kindern. In Kooperation mit der Hauptschule Stadtmitte leiten Schülerinnen und Schüler die Führungen im Wasserturm. Heute wird der Turm vom Trägerverein betrieben, der sich durch Eintrittspreise und Vermietung finanziert. 2009 gab es eine weitere Förderung zur Entwicklung der Gebäudesubstanz von insgesamt 429.000 Euro. Dieses Geld kam aus dem europäischen Fond für regionale Entwicklung.

Europa, es steckt fast überall. Den direkten Draht nach Brüssel haben sie Büro von Europe Direct, der Infozentrale der Europäischen Union. Fünf MitarbeiterInnen stehen den Bürgerinnen und Bürgern der Region Lüneburg bei Fragen und Beratung zum Thema EU bereit. Gleichzeitig organisieren sie Veranstaltungen mit Europabezug. Und sie zeigen uns: Europa findet nicht nur Brüssel in den Nachrichten statt, sondern es begegnet uns tagtäglich.

Infos zu den Förderfonds

ESF

Der Europäische Sozialfonds ist der Topf für Projekte rund um das Thema Beschäftigung und Bildung. Gefördert beziehungsweise bezuschusst werden Projekte wie Englischkurse, Lehrgänge für Azubis und Meister, Seminare zum Steuerrecht, bis hin zu ganzen Ausbildungsplätzen.

EFRE

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung soll dazu beitragen, dass schwächere Regionen die entwickelten Regionen schneller aufholen. Sprich: Infrastruktur, Forschung, Umweltschutz. Darunter fallen zum Beispiel das berühmt-berüchtigte Zentralgebäude der Universität, aber auch das Technologiezentrum Lüneburg oder die Sanierung des Wasserturms. Generell lässt sich sagen, dass der ESF sich eher mit Menschen beschäftigt und der EFRE mit Objekten wie Gebäuden.

ELER

Beim europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums geht es nicht nur um Landwirtschaft an sich. Forstwirtschaft, Nachhaltigkeit und Lebensqualität im ländlichen Raum gehören ebenfalls dazu, wie zum Beispiel der Bau einer Radfahrerbrücke über die Wörpe bei Rotenburg oder der Umbau der ehemaligen Dorfschule in Krelingen zu einer Tagespflegeeinrichtung.

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