Zwischen Wort und Tat

Wer in einer Diskussion mit unpassenden Begriffen um sich wirft, läuft nicht nur Gefahr, das Wortgefecht zu verlieren, sondern auch, sich zu blamieren. Gerade im Rahmen der Startwoche, den vielen Vorträgen, Kommentaren und Projekten rund um das Thema Diversität ist die richtige Wortwahl nicht zu vernachlässigen.

Immer wieder tauchen in den Reden und Beiträgen aus der Startwoche die Begriffe Stereotyp, Vorurteil und Diskriminierung auf. Oft werden diese Begriffe in einem Atemzug genannt oder sogar synonym verwendet. Um zu wissen, wann von welchem der Konstrukte die Rede sein sollte, ist es notwendig, die Unterschiede zwischen ihnen zu verstehen.

Aus Sicht der Sozialpsychologie sind Stereotypen das Wissen, das wir über Andere haben. Dieses Wissen enthält zunächst keinerlei Wertung über die soziale Fremdgruppe. Menschen nutzen Stereotype, um ihre Umwelt schnell wahrzunehmen. Wir kategorisieren alles, was uns begegnet. Das hat nicht nur mit unserer angeborenen Faulheit zu tun, sondern auch mit der Effizienz dieses Vorgehens: Würden wir alles, was uns unterkommt, erst neu und isoliert von allem anderen bewerten, fehlte uns die Zeit und Energie, um über die wirklich wichtigen Dinge nachzudenken.

Stereotypen sind also nichts grundsätzlich Schlechtes und daher prinzipiell abzulehnen, sondern eine natürliche Technik des Menschen, sich schnell ein Bild von der Welt zu machen.
Vorurteile hingegen enthalten zwar einen wertenden Aspekt und können gegenüber Mitgliedern der Fremdgruppe unfair sein, doch gehen nicht über das hinaus. Erst die Diskriminierung, die Aktion, die aus dem Denken über andere resultiert, stellt eine Handlung dar. Sie ist es, die weniger unbewusst stattfindet, die beobachtbar ist und doch so oft fälschlicherweise als „Vorurteil“ bezeichnet wird.

von Haye Stein

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