Lüneburg, du (schrecklich) schöne Stadt

Zwischen Ilmenau und City Döner.


Als ich so an der Ilmenau entlangspaziere und das wahrscheinlich letzte Eis diesen Jahres genieße, bin ich ganz zufrieden. Es dauert ein bisschen, bis ich eine Stelle am Wasser gefunden habe, die weder überfüllt noch zugemüllt ist, doch umso mehr erfreue ich mich dann an der Ruhe meines Plätzchens. Das Wasser strömt vor sich hin, und die Enten treiben an mir vorbei.  Welch ein friedlicher Ort, denke ich, und wundere mich über mich selbst.

Normalerweise bin ich besser darin, mich zu beschweren, mich aufzuregen, wenn der norddeutsche Dauerregen einfach nicht aufhört, oder ich mal wieder in der Kälte auf den verspäteten Bus warte. Apropos Busse, wie kann es eigentlich sein, dass ich nach 19 Uhr nicht von A nach B komme in einer kulturell so gut ausgebauten, wohlhabenden Stadt, ohne mich bei Wind und Wetter auf mein lediertes Fahrrad schwingen zu müssen? Wie soll also jemand zum Abendprogramm ins Theater und zurück gelangen, der schlecht zu Fuß ist und kein Auto besitzt? Da bleibt wohl nur das ASM-Taxi. Kostet aber extra, auch mit Studententicket.

Aber wenn man am ruhigen Ufer der Ilmenau sitzt oder durch den Kurpark spaziert, sind diese Wehwehchen schnell vergessen. Wer braucht schon ein funktionierendes Bussystem, wenn es mehr Fahrrad- als Autoparkplätze gibt? Und überhaupt macht das Radeln bei der vielfältigen Bodenbeschaffenheit der Lüneburger Innenstadt doch besonders Spaß. Das tägliche Beinmuskeltraining hat man außerdem auch direkt erledigt, wenn man den Hügel zur Uni hochgestrampelt ist. Und natürlich kann man beim Fahrradfahren auch die angenehme Stadtluft genießen, die einem ins Gesicht fegt. Auch die optische Aufwertung der Lüneburger Altstadt durch die Fahrräder ist nicht zu vergessen. Die Kombination aus Menschen, die ihren Arbeitsweg aufgrund überfüllter Fahrradwege recht gemütlich bestreiten und den alten, schrägen Giebelhäuschen sorgt für Amsterdam-Flair.

Ich bekomme Hunger auf etwas Herzhaftes und überlege, ob ich mir von meinen 4,50 € lieber einen „City-Döner“ oder einen veganen Burger mit Süßkartoffelpommes und Fairtrade-Ketchup kaufen möchte. Ich entscheide mich für ersteres und laufe über den Döner-Imbiss zum Marktplatz. Es ist Mittwoch, weshalb sich um mich herum überall Menschen tummeln, die über den Wochenmarkt stöbern. Ich geselle mich dazu und schlendere noch ein wenig durch die belebten Gassen, bevor ich mich auf den Heimweg mache.

 

Von Laura Geres

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