Körperkult und fairer Handel

Diversität: So lautete die Überschrift der Startwoche 2016. In den letzten Tagen entwickelten die neuen Studierenden der Leuphana vielfältige Projekte, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.

Seit Montag stellten die neuen Erstsemester Lüneburg auf den Kopf: In Gruppen haben sie sich mit dem großen Thema der Diversität auseinandergesetzt. Traditionell wurde auch in den Projektgruppen in der gesamten Woche Englisch gesprochen. Am Freitag präsentierten sie die entstandenen Ideen durch selbstgedrehte Videos im Rahmen einer Abschlussveranstaltung. Doch dahinter steckt eine Menge Arbeit.
Die Bandbreite der Themen reichte weit über kulturelle Diversität hinaus. Die Gruppe von Yule Timm und Sari Dahle (beide 19) beschäftigt sich mit der Vielfalt der Produkte, die wir in Supermärkten oder Bekleidungsgeschäften finden. „Wir hatten die Idee, eine gewisse Transparenz in Hinblick auf die Herstellung von Produkten zu ermöglichen“, erklärt Yule. Dafür stellten sich die Studentinnen eine Suchmaschine auf einer eigenen Website vor, durch die der Suchende nur ausgewählte Produkte finden könne. Dabei wähle er oder sie aus, ob ökologisch nachhaltige, fair produzierte, vegane oder vegetarische Ware angezeigt wird. „YOURECO“, wie die Neustudierenden ihr Projekt getauft haben, fördere so die Biodiversität durch die Einschränkung der Produktdiversität. „Das ganze soll kein eigener Shop sein“, betont Sari. Sie denken eher an ein Portal, das für Güte steht, wie etwa Stiftung Warentest. „Die Kunden bekommen durch unser Angebot garantiert, dass alles gut ist an den Produkten. Dadurch müssen sie wirklich nur schauen, ob ihnen der Artikel an sich gefällt.“ Das Ziel der Gruppe war jedoch keineswegs von vorneherein festgelegt, sondern entwickelte sich im Arbeitsprozess. Es wurde viel diskutiert – zum Beispiel um die Frage, ob es nicht doch eine App für das Smartphone geben solle oder welche Produkte genau angeboten werden. „Wir waren sehr lange festgefahren durch den Gedanken, eine App zu entwickeln. Darüber haben wir lange und intensiv diskutiert. Beim Angebot waren wir am Anfang erst bei Lebensmitteln, aber jetzt möchten wir auch alle möglichen Produkte wie Möbel und Kleidung vertreiben“, fasst Yule die Entwicklung zusammen.
Ein ganz anderes Verständnis des Themas „Diversität“ hat die Gruppe um Caroline Roehrs (19). Sie planen eine Kampagne gegen Bodyshaming (Deutsch: „Schämen für den eigenen Körper“), sprich: gegen die unrealistische Vorstellung des „perfekten“ Körpers. „In unserem Video möchten wir verschieden proportionierte Körperteile zeigen“, erklärt die Betriebswirtschaftsstudentin. Auf Social Media Kanälen spreche man sich damit für mehr Individualität des menschlichen Körpers aus. Das Projekt solle den Namen „#andyou“ tragen: „Jeder ist auf seine Art und Weise schön“, führt sie fort. Außerdem plane man, einen Negativpreis an große Unternehmen zu vergeben, die eben dieses Bodyshaming vorantreiben.
Tjark Thönßen (23) studiert Rechtswissenschaften und ist einer der 115 Tutoren, die die Erstigruppen während der Startwoche betreuten. Seine Aufgabe war es, die Ausarbeitung der Projekte zu leiten und für Rückfragen zur Verfügung zu stehen: „Ich mische mich nur so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig ein“, sagt er. Außerdem fände er es spannend, die Entwicklung von der Idee bis hin zu der endgültigen Umsetzung beobachten zu können. Auch im vergangenen Jahr war Thönßen Tutor und leitete eine Erstigruppe durch die Startwoche: „Die Organisation wird jedes Jahr besser und die Abläufe reibungsloser“. Ziel ist es, dass einige der Gruppen ihr Projekt auch über die Woche hinaus realisieren. Unabhängig vom fachlichen Rahmen ist die Startwoche vor allem eins: Ein Herzliches Willkommen für die Erstsemester.

Von Franziska Krämer und Jana Kinastowski

No Replies to "Körperkult und fairer Handel"