Auticon: Autismus als Chance sehen

Duzen oder Siezen? Menschen mit Asperger-Syndrom bereitet diese Frage große Probleme. Alltägliche Kommunikation fällt ihnen schwer, weil sie keinen Humor verstehen oder Small Talk führen können. Nur wenige Asperger-Autist*innen finden trotz oftmals außergewöhnlichen Begabungen einen festen Job.
Man muss Asperger aber nicht als Behinderung sehen. Dirk Müller-Remus, Gründer der IT-Firma auticon, stellte in der Startwoche sein Unternehmen vor, in dem zwei Drittel der Beschäftigten Autist*innen sind. Die Idee entsprang 2007, als bei Müller-Remus‘ Sohn Asperger diagnostiziert wurde. Dadurch wurde der Unternehmer auf das besondere intellektuelle Potential von Autist*innen aufmerksam. Das Spezialinteresse, das hohe Konzentrationsvermögen und der Blick für Fehler qualifizieren sie hervorragend für das Prüfen von Software. Als Müller-Remus später erfuhr, dass die Berufschancen für Menschen mit Asperger extrem gering sind, entwickelte er daraus die Idee für die Gründung seines Unternehmens.
auticon behauptet sich am Markt, und die Autist*innen verbessern die Kommunikation mit den Kunden, weil sie zum Gebrauch einer klaren Sprache anregen. Stolz erzählt Müller-Remus von seinem Mitarbeiter Marco, der früher nicht ohne Assistenz leben konnte und seit seinem Einstieg bei auticon ein selbstständiges Leben führt. Warum er gerne mit behinderten Menschen arbeitet? „Es funktioniert!“

 

von Franziska Krämer und Katharina Kleine Wächter

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