Aus den Augen einer Tutorin

Anne Ritter studiert im dritten Semester Umweltwissenschaften an der Leuphana. Sie ist im Wintersemester 2016/17 als Startwochen-Tutorin dabei. Wir haben sie gefragt, was dabei ihre Aufgaben sind, wie sie die Startwoche sieht und wie viel Schlaf sie zurzeit bekommt.

Was ist für dich Diversität?
Anne: Es ist auf jeden Fall ein sehr komplexes und allgegenwärtiges Thema, das bei genauem Hinschauen fast überall auftaucht. Gerade deswegen lässt sich mit Diversität auch sehr viel machen, weshalb es für die Startwoche gut geeignet ist.

 

Hat deine Gruppe schon eine konkrete Idee, wie sie das Thema Diversität behandeln möchte?
Anne: Wir fokussieren uns auf eine soziale Herausforderung, die uns alle interessiert, bei der wir darauf gucken wollen, inwiefern eine Betonung von Diversität uns einer Lösung dieser Herausforderung näherbringen würde. Es läuft ziemlich gut bis jetzt.
Was genau meint „soziale Herausforderung“?
Anne: Gemeint ist ein gesellschaftliches Problem von heute, das in allen nur denkbaren Bereichen zu finden sein kann: Ökologie, Ökonomie, Soziales etc. Wir wollen uns hier eines der existierenden Probleme raussuchen und nach einer Lösung suchen, indem wir unterschiedlichste, also sehr diverse, Perspektiven in den Blick nehmen.
Wisst ihr schon, welche Herausforderung ihr angehen wollt?
Anne: Wir haben die ersten beiden Tage sehr viele Informationen bekommen und anschließend immer diskutiert und jetzt haben wir einige Probleme, die uns mehr beschäftigen als andere. Wir sind aber noch in der Festlegungsphase, also will ich mal noch nicht zu viel verraten (lacht). Wichtig ist vielleicht noch zu sagen, dass ich dabei eher im Hintergrund stehe, weil ich nur insofern Teil der Gruppe bin, als dass ich die Diskussionen leite, Impulse gebe und für Fragen zur Verfügung stehe. Die Ideen und Vorschläge kommen von den Erstis.

 

Haben deine Erstis denn viele Fragen, vielleicht zum Studium in Lüneburg und an der Leuphana allgemein? Und kannst du alle davon beantworten?
Anne: Ja, die Erstsemester haben tatsächlich ziemlich viele Fragen. Es sind auch oft Fragen zu Dingen ober Abläufen, die für mich mittlerweile fast selbstverständlich sind. Deshalb kann ich auch überraschenderweise eigentlich immer eine Antwort geben (lacht). Dadurch merkt man auch, wie viel man selbst in seinem Studium schon gelernt hat, was sehr schön ist festzustellen. Bei den Fragen, die ich nicht beantworten kann, weiß ich aber wenigstens einen Ansprechpartner, an den sich die Erstis wenden können, um Antworten zu bekommen.
Was ist als Tutorin denn genau dein Job?
Anne: In einer Diskussion übernehme ich die Diskussionsführung und versuche, alle aus der Gruppe zu involvieren. Ich motiviere sie, dass sie sich aktiv einbringen und dass sie zu den Vorträgen gehen, um neue Anregungen zu bekommen für unsere Gruppenarbeit. Ich übernehme auch das Zeit-Management, das heißt ich koordiniere, wann wir unsere Mittagspause machen, wann wir weiterarbeiten und wann wir zu den Vorträgen gehen. Nicht zuletzt bin ich aber auch dafür da, Spaß in die Sache zu bringen und eine Art Gruppengefühl entstehen zu lassen, damit sich die neuen Erstis auch willkommen geheißen fühlen.

 

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Bekommst du etwas dafür?
Anne: Zum einen bekomme ich dafür etwas „Taschengeld“, was aber auf die Stunden gerechnet, kein sehr hoher Stundenlohn ist. Sehr schön ist aber, dass ich auch recht viel positives Feedback aus meiner Gruppe bekomme. Darüber hinaus ist es für mich etwas neues, eine Gruppe „anzuleiten“ und zu versuchen, ihre erste Uni-Woche interessant zu gestalten, woran ich selbst auch viel lerne.

 

Sprecht ihr in eurer Gruppe eigentlich durchgängig Englisch?
Anne: Am ersten Tag haben wir versucht, es durchzuziehen, und wir probieren es auch jeden Tag immer wieder von Neuem, aber irgendwann wechselt es dann immer ins Deutsche. Spätestens wenn es in der Mittagspause nicht mehr um das Startwochenthema Diversität geht, sondern um die Diversität innerhalb unserer Gruppe, passiert das meiste auf Deutsch.
Wie viel Schlaf bekommst du durchschnittlich zurzeit bei all der Arbeit?
Anne: Tatsächlich ziemlich viel, weil ich bis jetzt immer noch recht früh ins Bett gegangen bin. Das ändert sich aber sicher, wenn ab Donnerstag die Ersti-Partys anfangen.
Wie findest du die diesjährige Startwoche im Vergleich zu deiner eigenen?
Anne: Ich finde die diesjährige Startwoche cooler, weil ich mehr mitbekomme, allein schon von den Vorträgen. Das liegt sicher auch daran, dass ich jetzt schon ein Jahr studiere, demzufolge die Uni schon kenne und auch weiß, was in der Startwoche passieren wird. Bei meiner eigenen Startwoche war das alles neu, man kriegt extrem viele neue Informationen zur Uni, zum Wohnen, zum Studium, zu Allem. Da ist es mir oft schwergefallen, mich voll und ganz auf die Startwoche allein zu konzentrieren. Natürlich hilft dieses Mal auch, dass ich auf der anderen Seite der Startwochenorganisation stehe. Ich bekomme jeden Morgen Informationen über alles, was an dem Tag ansteht und habe deswegen einen besseren Überblick. Auch vom Thema bin ich etwas begeisterter als vor einem Jahr. Ich persönlich kann mir unter „diversity“ direkt mehr vorstellen, als unter „engage!“.
Ist die Startwoche deiner Meinung nach denn ein gutes Konzept, mit dem man die Erstis hier an der Leuphana begrüßen kann?
Anne: Ich finde die Startwoche ziemlich gut, auch deshalb, weil sie etwas Besonderes ist, was man so an anderen Unis nicht findet. Sie ist super für den Austausch mit Studierenden aus anderen Studienfächern. So lernt man gleich am Anfang viele verschiedene Menschen kennen, die nicht alle das gleiche wie man selbst studieren. Mir persönlich macht auch das Arbeiten in  Gruppen Spaß, wenn man sich zusammen an einem Problem die Zähne ausbeißt. Das mochte ich vor einem Jahr und mag es auch heute noch. Und ich hoffe, dass es meinen Erstis auch Freude bereitet. Mein einziger Wunsch wäre, dass man vielleicht nicht jeden Tag bis um sechs Uhr abends bleiben und arbeiten muss. Das kann manchmal schon ganz schön lange sein, besonders wenn man viel theoretischen Input bekommt. Gerade für Erstis ist ja auch vieles neu und eventuell teilweise etwas erdrückend, das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

 

Von Daniel Popp

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