Campus öffne dich! Das tut die Leuphana Universität für Flüchtlinge

Die Barrieren für Asylbewerber, ein Studium zu beginnen oder fortzuführen, sind hoch. In welcher Form nimmt die Leuphana Universität Lüneburg ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr?

Seit dem Sommersemester 2015 können Flüchtlinge als angemeldete Gaststudierende Seminare und Vorlesungen sowie Deutschkurse an der Universität besuchen. Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität haben das Open Lecture Hall Programm initiiert – eine Möglichkeit für eine erste Orientierung an der Uni.
Zusätzlich zum Open Lecture Hall Programm wird ab dem Wintersemester 2015/16 das Brückenprogramm angeboten. Dort können Geflüchtete nach Anmeldung eine Auswahl regulärer Lehrveranstaltungen in deutscher und in englischer Sprache besuchen, wenn die benötigten Sprachkenntnisse vorhanden sind. Auch hier bleibt der Gasthörerstatus erhalten. Es besteht jedoch die Möglichkeit, in bis zu zwei Modulen Prüfungen abzulegen und Zertifikate zu erwerben. Die beiden Programme können miteinander kombiniert werden.

Für das Brückenprogramm gibt es für das Wintersemester 42 Anmeldungen. Die Anmeldung zum Open Lecture Hall Programm ist noch bis 22. Oktober 2015 möglich. Unterstützend zum Flüchtlingsprogramm soll die Zentraleinrichtung Moderne Sprachen (ZeMoS) Deutsch für Geflüchtete auf verschiedenen Niveaustufen und ein auf das Studium vorbereitenden Englischkurs anbieten. Das Selbstlernzentrum steht als Lernort zur Verfügung.

Die Starttage in der Startwoche

Abseits vom Trubel der Erstsemesterveranstaltungen in Hörsaal 2 und dem Vamos fand am zweiten Tag der Startwoche in Hörsaal 4 die Einführungs- und Informationsveranstaltung zum Open Lecture Hall Programm und zum Brückenprogramm statt.

Katharina Alexi, Wissenschaftliche Hilfskraft des International Office, Rebekka Pfennig, studentische Hilfskraft und Ansprechpartnerin für OLH & Buddy Programm, die Studierende Trang Vo und Thekla Carvalho de Rodrigues, Wissenschaftliche Mitarbeiterin (ZeMoS), möchten die Bewerber auf das Studium vorbereiten. Sie geben den Interessierten einen Überblick über den organisatorischen Ablauf und wichtige Termine und versuchen außerdem, die Fragen rund um die Tests zur Einstufung der Sprachkenntnisse, Modulwahl, Bibliotheks- und Internetzugang sowie myStudy zu beantworten.

Vom Organisationsteam ist in vielen Dingen Improvisationstalent gefragt. Nach wie vor ist zum Beispiel unklar, wie sich Studierende von außerhalb (z.B. aus Uelzen oder Maschen) die Fahrtkosten zur Universität leisten sollen. Die Mobilität für auf dem Lande untergebrachte Geflüchtete ist eine große Herausforderung – circa die Hälfte der bei der Infoveranstaltung Anwesenden ist hiervon betroffen. In die Veranstaltung ist auch ein kurzes interkulturelles Training integriert. Hier soll jedoch niemand in einem 30-Minuten-Workshop zum Deutschen werden. Es geht darum ein Bewusstsein zu schaffen für kulturelle Unterschiede und welche Rolle diese im Unialltag spielen können.
Ein kurzes Experiment, welches die unterschiedlichen Empfindungen von Zeit vor Augen führt, leitet eine Diskussion über den Kulturbegriff ein. „Culture is the way of life“ sagt ein Teilnehmer. Der Begriff der „German Pünktlichkeit“, die ein Teilnehmer lächelnd als „Mangel an Flexibilität“ bezeichnet wird, darf natürlich nicht fehlen.

Am letzten Tag der Startwoche fand der Einstufungstest für den Deutschkurs statt. Ab 14:30 Uhr lernten sich die Buddies und ihre Partner kennen. Als Buddy helfen Studierende der Leuphana bei der Anmeldung zum Programm, beim Umgang mit myStudy, zeigen den Campus und sind Ansprechpartner bei allen Fragen rund um den Studienalltag. Auch die Buddies durchlaufen einen Workshop, der eine interkulturelle Vorbereitung beinhaltet.

Shabab und Waqar informieren sich über das Studienprogramm. (Foto: Sunna Strese)

Shabab und Waqar informieren sich über das Studienprogramm. (Foto: Sunna Strese)

Waqar Ullah, 25, und Shahab Arshad, 23, studierten in ihrem Heimatland Pakistan Wirtschaft und Finanzen. Seit drei Monaten wohnen sie in Maschen und freuen sich auf den Beginn der Veranstaltungen in der kommenden Woche: „Wir haben bereits genug Zeit verloren“.

Und jetzt kommst du

Im Rahmen des Komplementärstudiums finden regelmäßig Seminare in Zusammenarbeit mit Geflüchteten statt. Mehr Informationen darüber findest du im aktuellen Vorlesungsverzeichnis auf myStudy. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, dem bieten sich unter anderem folgende Möglichkeiten: in studentischen Initiativen und Gruppen (No Border Academy, Sprachbrücken, OLH), bei der amikeco-Willkommensinitiative oder als Buddy eines Geflüchteten.

Koordiniert wird das Flüchtlingsprogramm der Leuphana Universität vom International Office.

Von: Sunna Strese

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