Jäger der schwulen Seegurke: Diese Gruppe würde Schwung in die Startwoche bringen

Da man dieses Jahr keinen Sieger der Startwoche kürt, habe ich die Ehre, über einzelne Gruppen zu berichten. Meine Vorahnung: Viele der Gruppenergebnisse äffen die Klischees vergangener Jahre nach. Internetplattformen, auf denen man irgendetwas Soziales machen konnte, Apps die schon Kaiser Wilhelm uncool fand und wenn noch einmal eine Gruppe das Mehrgenerationenhaus auspackt, versaufe ich meinen Frust im Nobbys!

Ich griff also nach meinem Notizblock und hörte in diverse Gruppen rein. Nach der fünften Internetplattform hatte ich erst die Nase voll, riss mich dann aber zusammen und zog in das nächste Gebäude. Nichtsahnend betrat ich dort einen der stickigen Gruppenräume. Es war die vorerst letzte funktionierende Handlung meines Urteilsvermögens. Eine Szene folgenden Ausmaßes zu beschreiben erfordert unter labilen Umständen einen ganzen Baikalsee voll Bier, mein derzeitiges Befinden hat meinem neuen imaginären Freund aber ein Auge zugedrückt.

Das erste, was ich vernahm, war eine im Falsett singende Gestalt mit Pferdekopfmaske, die mir „Whats Up“ von 4 Non Blondes in den Schädel sägte. Sie griff nach meinen Händen und zog mich drehend durch den pastellfarbenen Raum mit Hawaiihemdenfußboden. Meine Übelkeit legte sich. Ich stützte mich mit einem Arm auf dieses seltsam gelbe Möbelstück, das sich als Whirlpool outete.

Wird oft diskriminiert: Eupentacta quinquesemita, die gemeine Seegurke. (Foto: Jerry Kirkhart / CC)

Wird oft diskriminiert: Eupentacta quinquesemita, die gemeine Seegurke. (Foto: Jerry Kirkhart / CC)

Meine geistige Aufnahmefähigkeit begann zu streiken. Kommentarlos verfolgte ich, wie ein rotierender, als Gurke verkleideter Kerl mit Hipstervollbart und pinker Hornbrille sich aus dem Wasser hervorschraubte. Er trug eine Bärenfellmütze mit dem Leuphana Logo und fing an, über die Diskriminierung von homosexuellen Seegurken zu glucksen: Niemand mache sich Gedanken über die Sorgen und Nöte einer im Wasser lebenden Minderheit!

„Das fängt schon auf den Partys an. Welcher Türsteher lässt denn eine schwule Seegurke in den Club? Nachher will die noch woanders rein.“

Auf dem Arbeitsmarkt sei es wohl noch problematischer. In den DAX Vorständen gibt es wohl keine einzige schwule Seegurke, was mir später noch einmal unser Rechercheteam bestätigte. Ebenso verdiene eine Gurke, die unter Wasser lebt, weniger als eine Gurke, die in den Bahnvorstand wechselt.

„Es kann nicht sein, dass dieser Frevel totgeschwiegen wird. Hier an der Leuphana werden wir den ersten Schritt wagen, um den schwulen Gurken zu einem gerechten und ökologisch nachhaltigen Leben zu verhelfen.“ Die Gurke färbte sich rot.

Der Pferdemann öffnete sein Maul und zog an seiner eigenen Zunge. Eine Leinwand fuhr herunter und ein Bär im Piratenkostüm präsentierte die Lösung des Problems: Eine App, die Termine regelt, an denen man mit schwulen Seegurken kochen kann. Meeresfrüchte seien allerdings tabu, der spießbürgerliche Deutsche solle seinen dekadenten Fleischkonsum endlich mal in den Griff bekommen.

Denkbar sei auch ein Plugin für Tinder, sodass zukünftig auch Matches mit schwulen Seegurken möglich wären.
Ein Indianer auf einem Pogo Stick reichte mir ein Tablett, auf dem sich ein Cocktailglas mit lachsfarbener Flüssigkeit befand. Ich schrieb meine letzten Notizen und nahm einen Schluck. Einige Stunden später fand man mich im Asta Wohnzimmer.

So eine Idee wird es leider niemals geben. Oder etwa doch?

Von: Jan Gooß

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